Verdiente Vorstandsmitglieder geehrt (von Hans Kopp)

Die Sängervereinigung Wolfskehlen hat kürzlich zwei verdiente Mitglieder geehrt.

Corona bedingt konnte an anderer Stelle eine offizielle Ehrung bisher nicht durchgeführt werden, und so nahm der erste Vorsitzende Hans Kopp die Gelegenheit wahr und konnte im privaten Rahmen  unter Beachtung der Corona-Regeln die entsprechenden Urkunden überreichen.

Elfriede König wurde bereits bei der letzten Jahreshauptversammlung, zu der sie verhindert war,  zum Ehrenmitglied ernannt.  Sie hatte fast 30 Jahre dem Vorstand angehört, davon viele Jahre als Schriftführerin. Als Sängerin im Frauen- und gemischten Chor und zuverlässige Helferin bei allen Veranstaltungen hat sie immer den Verein freudig unterstützt.

Ernst-Ludwig Schaffner gehört alleine dem Vorstand bereits seit über 50 Jahren an. Davon viele Jahre als erster Vorsitzender. Dafür wurde er nun auch vom hessischen Sängerbund ausgezeichnet. Er ist seit jeher im Männerchor und auch im gemischten Chor des Vereins aktiv. Als Präsent brachte er seiner ehemaligen Chor- und Vorstandskameradin einen Strauß Sonnenblumen und einen Korb, mit dem was Garten und Acker im Moment beschert, mit.  

Der Chor ist zwar kein Mitglied im Sängerkreis-GG, trotzdem schade, dass wieder ein Verein aufgeben muss.

Echo 13.8.20

Hessens Chöre versuchen den Neustart
 
Singen gilt derzeit als gefährliches Hobby
 
OBERURSEL/KASSEL (dpa). Nach einer Pause wegen der Corona-Pandemie
versuchen Hessens Sänger wieder ihrem Hobby nachzugehen. „Die Chöre fangen
gerade wieder ein bisschen mit Proben an“, sagt Annette Jungjohann,
Sprecherin des Hessischen Sängerbundes in Oberursel. Der größte Chorverband
Hessens hat rund 1350 Mitgliedsvereine und ungefähr 2200 Chorgruppen. Dabei
hätten es gerade die Chöre in der Krise besonders schwer. Viele Mitglieder
vermissten neben dem Singen das soziale Miteinander.
 
Einheitliche Hygiene-Regeln für Chöre in Hessen gibt es nicht. Das Land
Hessen empfiehlt nur, „auf Chorgesang und anderes gemeinsames Singen in
geschlossenen Räumen oder ohne Mindestabstand von drei Metern zu
verzichten“. Der Sängerbund rät daher, sich mit dem örtlichen
Gesundheitsamt abzusprechen und nach den Auflagen zu fragen. Sollte das
Singen mit Masken Vorschrift sein, sei das unbefriedigend, aber „an
oberster Stelle steht der Schutz der Mitglieder“, erklärt Jungjohann.
 
Unter freiem Himmel gilt Singen mit Abstand als relativ sicher. Allerdings
ist die Akustik schlecht. Das macht Sänger erfinderisch: „Einige singen und
proben in Ruinen, da geht der Schall nicht so schnell weg“, sagt
Jungjohann. Allerdings habe nicht jeder Chor eine Ruine zur Verfügung. Auch
unter Bäumen zu singen, könne die Akustik leicht verbessern. Einige Chöre
teilten sich auch auf und probten dann mehrfach. „Das ist dann eine
Herausforderung für die Chorleiter.“
 
Auch Karl-Heinz Wenzel vom Mitteldeutschen Sängerbund mit rund 580 Chören
berichtet von kreativen Notlösungen: „Teilweise wird in Räumen mit großen
Fenstern gesungen, in denen Durchzug herrscht.“ Auch in Scheunen mit
offenen Toren oder im Freien werde geprobt. Das sei jedoch keine
Dauerlösung besonders mit Blick auf den Herbst. Das Singen mit Mundschutz
sei nicht wirklich sinnvoll. Unterdessen liege das Vereinsleben in vielen
Chören brach: Alle geplanten Konzerte seien abgesagt, Workshops und
Fortbildungen fielen aus. Wenzel befürchtet daher, dass Gesangformationen
ganz verschwinden: Viele Chöre, die sowieso überaltert waren und nun ein
halbes Jahr nicht gesungen hätten, würden womöglich aufgeben.

4.8.2020 Groß-Gerauer Echo

Der Wallerstädter Helmut Happel ist seit 60 Jahren Chorleiter und dienstältester Dirigent im Sängerkreis Groß-Gerau
Von Charlotte Martin

GROSS-GERAU. Es ist schier unglaublich: 58 Jahre ist Helmut Happel Chorleiter im Gesangverein (GV) Liederkranz Berkach, seit 33 Jahren parallel dazu Chorleiter des Frauen-, Männer- und Gemischten Chors der SKV Mörfelden. Los ging’s mit seiner im Lauf der Jahre zehn Chöre umfassenden Chorleitertätigkeit bereits vor 60 Jahren.

„Ich hatte den Chorgesang als musikalische Sparte, in der ich mich engagieren könnte, gar nicht im Sinn“, erzählt Helmut Happel schmunzelnd. „Ich war 24 Jahre jung und spielte damals leidenschaftlich Trompete in einer Bigband, als mich morgens ein guter Bekannter aus dem Bett klingelte. Er meinte vorsichtig, ich würde doch Noten lesen können und der Männerchor der Teutonia suche einen Chorleiter“, erzählt Happel von jener entscheidenden Morgenstunde.

„So kam’s, dass ich 1960 beim Männerchor der Teutonia anfing, denn ich wollte die Wallerstädter nicht hängen lassen.“ Daraus wurden 43 Jahre Dirigat. Seine Ehrung für 40 Jahre Chorleitung erfolgte 2006 bei der 200-Jahrfeier der Teutonia.

1962 sei der Liederkranz Berkach dazugekommen, damals ein reiner Männerchor, dessen Sangeskraft leider nicht mehr ausreichte, sodass Helmut Happel die Männerstimmen in dem von ihm neu begründeten gemischten Chor noch mal zur Blüte brachte. 2017 war aus Altersgründen das Ende des Gemischten Chors unumgänglich. „Ein tragfähiger Chor braucht zwölf bis 16 Sänger, drei pro Stimme“, erläutert Happel. Bestand haben aber die „Happy Voices“, die „Fröhlichen Stimmen“ des Liederkranz‘ mit modernem Repertoire. Happel: „Wir hatten es uns mit dem Ende des Gemischten Chors nicht leicht gemacht, aber der Chorklang war weg. In der Blütezeit waren es 35 Aktive. Nirgendwo habe ich Chorproben und Gemeinschaft so nett erlebt wie in Berkach.“

Dies ist bis heute so: Happel, der die Vereinsgeschichte des 138 Jahre alten Gesangvereins prägte wie kein Zweiter, sagt: „In der Corona-Krise halten wir trotz allem das Band, singen in Videokonferenzen nach Computervorgabe Lieder, die ich für die einzelnen Stimmen arrangiere. Das ist ein Notbehelf, aber immerhin.“

Im Freien zu proben, halte er für schwierig, so Happel: „Draußen verfliegt der Chorklang. Und: Die Sänger der ‚Happy Voices’ sind 50 bis 70 Jahre alt, mancher gehört zur Corona-Risikogruppe.“ Auch, dass seine Sängerschar der SKG Mörfelden derzeit nicht proben könne, bedaure er sehr. „Auf Dauer ohne Chorgesang – da entstünde für mich eine große Leere“, sagt Helmut Happel.

Eine besondere Freude sei es für ihn stets, Chorsätze zu arrangieren und die Stimmen – Bass, Tenor, Alt, Sopran – in aktuellen Liedern so zu schreiben, dass diese trotz hohem Anspruch von Laien gesungen werden können: Er schreibe seinen Chören die Lieder quasi auf den Leib.

Helmut Happel war hauptberuflich Lehrer, unterrichtete in Trebur. Später war er in der Lehrerausbildung tätig. Auch leitete er lange Zeit die Kinder- und Jugendchöre von Liederkranz und Teutonia. Das pädagogische Gespür kommt ihm als Chorleiter zugute: „Neben Musikalität und gutem Gehör braucht man Geduld, sollte ein verträglicher, ausgleichender Mensch sein und nie entmutigen.“ Schöne Stimmen erfreuten ihn freilich besonders, sagt er. Doch er weiß: „Als Chorleiter habe ich mit unterschiedlichen Charakteren in unterschiedlicher Stimmung zu tun.“ Chorsingen sei Musizieren mit Leib und Seele, sodass wohlklingendes Volumen entstehe, sagt Happel abschließend.

VERDIENSTE
Zu den von Helmut Happel im Lauf der Jahre dirigierten Chören gehörten die Bruderkette Astheim, der Klub Harmonie Rüsselsheim, der MGV Mozart Trebur, Frohsinn Langen, der Chor Rümmelsheim (bei Bad Kreuznach) und die Teutonia Wallerstädten.

Chorleiter ist er heute bei der SKV Mörfelden und im Liederkranz 1882 Berkach.

2006 wurde Happel für 40 Jahre Chorleitertätigkeit der Teutonia geehrt, 2012 für 50 Jahre beim GV Liederkranz Berkach sowie auch für 25 Jahre Chorleitertätigkeit bei der SKV Mörfelde geehrt. 2012 erhielt Helmut Happel eine Auszeichnung der Stadt Groß-Gerau für „Stetigkeit und Verdienste um das Kulturgut Gesang und das Engagement in der Kinder- und Jugendchorarbeit“.

Die feierliche Ehrung des dienstältesten Chorleiters im Sängerkreis Groß-Gerau soll noch 2020 erfolgen. (lot)

 
 

 

9.7.2020 Groß-Gerauer Echo

Nicht mit qualitativer Chorarbeit zu vergleichen

Angebot der Stadt, auf dem Theatervorplatz zu üben, stößt bei Rüsselsheimer Sängern auf wenig Gegenliebe
Von Daniela Ammar

RÜSSELSHEIM. „An alle Chorsänger/-innen, die das lesen: Bleibt eurem Verein, eurem Chor treu, zahlt eure Beiträge weiter, auch wenn ihr gerade nicht zu den Proben gehen könnt“ – mit diesen Worten appelliert Stefan Konrad, Chorleiter des Königstädter Gesangvereins „Frohsinn“, im sozialen Netzwerk Facebook an seine Sängerkollegen. Denn in Zeiten von Corona ist eine Chorprobe abzuhalten alles andere als einfach.
Auf seiner Homepage verweist der Hessische Sängerbund auf die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. „Es wird dringend empfohlen, auf Chorgesang und anderes gemeinsames Singen zu verzichten“, ist unter den Hygieneregeln zu lesen. Auch der Sängerkreis Hessen erklärt, der Gesundheitsschutz der Sänger gehe vor, teilt jedoch auch mit, dass verschiedene Vereine des Kreises in der nächsten Zeit den Chorprobenbetrieb wieder aufnehmen werden.
Auch die Rüsselsheimer Gesangvereine wollen langsam wieder starten, nachdem der Chorbetrieb seit Wochen brachliegt. Doch die Stadtverwaltung stellt den Chören die Räume „Am Treff“ oder in anderen städtischen Gebäuden für Proben nicht mehr zur Verfügung. Sie bezieht sich hierbei auf eine Einschätzung des Gesundheitsamtes Groß-Gerau, das grundsätzlich vom Chorgesang abrät. Auf Wunsch eines Rüsselsheimer Gesangvereins hat die Stadt jedoch zu möglichen Orten für Chorproben im Freien recherchiert, heißt es in einer Mitteilung. Als Ergebnis können die Rüsselsheimer Gesangvereine nun an zwei Abenden (Montag und Mittwoch) den Theatervorplatz für Proben im Freien nutzen, solange die Witterung und der Betrieb „Am Treff“ es zulassen.
Aber was halten die Vertreter von Rüsselsheimer Gesangvereinen von dieser Lösung? „Enttäuschend“, sagt Frank Brogl, Vorsitzender des MGV Liederkranz Rüsselsheim-Haßloch. Seit Wochen setzt sich Brogl mit der derzeitigen Situation auseinander und leistete „Vorarbeit“, wobei die von Brogl vorgeschlagenen Konzepte wohl pauschal zurückgewiesen wurden. Natürlich sei es schön, dass der Chor wieder einsteigen könne, wobei die Proben im Freien nicht mit qualitativer Chorarbeit gleichzusetzen seien, so der Vorsitzende. Was Brogl neben der Wetterabhängigkeit und der akustischen Situation ebenfalls moniert, sind die wohl eher willkürlich gesetzten Probentermine an den Tagen Montag und Mittwoch.
Ähnlich sieht es Hans Walter vom Gesangverein „Frohsinn“ aus Königstädten. „Wir werden das Angebot wohl oder übel wahrnehmen, auch wenn ich persönlich nichts davon halte“, sagt Walter. Er sieht in dem Angebot weniger die Möglichkeit einer Probe, sondern viel mehr die Gelegenheit zu einem Stimmentraining. Für die beiden Vorsitzenden der Gesangsvereine bleibt nur die Hoffnung auf ein Konzept, das die Nutzung der Räume wieder ermöglicht. „Rheinland-Pfalz hat das bereits im Juni vorgemacht, dass Chorproben auch in geschlossenen Räume wieder gehen“, sagt Brogl: „Ein Gesangsverein mit seinen chorischen Erlebnissen erfüllt nicht nur einen kulturellen, sondern auch einen sozialen Aspekt. Das sollte nicht vergessen werden.“
Käthe Meiser, Vorsitzende des „Volkschores Rüsselsheim“, kann sich mit dem Gedanken einer Chorprobe im Freien ebenfalls nicht anfreunden. „Wenn man weit auseinandersteht, hört man sich nicht und auch im Freien wollen wir kein Risiko eingehen, zumal unsere Aktiven aufgrund ihres Alters alle zur Risikogruppe gehören“, so Meiser.s Textfeld >>

26.6.2020 Groß-Gerauer Echo

Es fehlt ein Stück Lebensqualität“

Chöre im Kreisgebiet lechzen danach, wieder proben zu können und bei Konzerten zu singen
Von Charlotte Martin
KREIS GROSS-GERAU. „Ohne Singen fehlt eine wichtige, emotionale Form des Ausdrucks. Außerdem fehlt uns in der Chorarbeit der Stadtkirche die wöchentliche Begegnung der vielen, singfreudiger Menschen.“
Das sagt Wiebke Friedrich. Die Kantorin gehört zu den Aktiven aus 14 Kirchenchören der 36 Dekanatsgemeinden, die in der Corona-Krise schweren Herzens aufs Singen verzichten. „Singen bereitet ja nicht nur Ausführenden, sondern auch Zuhörern Freude. Ich höre von vielen, dass seit Corona auch das Mitsingen im Gottesdienst vermisst wird“, berichtet Friedrich. Denn während der Gottesdienste bleibt die Gemeinde stumm.
Aber Wiebke Friedrich hat eine Alternative erdacht, die am Sonntag, 28. Juni, ein „Mitsumm-Gottesdienst“ anbietet: „Singen geschieht ganzheitlich, der ganze Körper ist beteiligt. Da kann das Summen immerhin ein kleiner Ersatz sein. Der Liedtext wird dabei mitgedacht. Mit Blick auf Corona ist beim Summen, also dem klingenden Ausatmen, die Gefahr einer Virusübertragung nicht annähernd so groß wie beim Singen oder auch beim Sprechen.“
Vom Wert des Gesangs erzählt auch Claudia Hesping, katholische Anleiterin für „Heilsames Singen“ aus Bischofsheim: „Singen hebt die Laune, mindert Stress, fördert das Wohlbefinden. Weil wir uns beim Singen aktiv ausdrücken, stärkt es das positive Selbstbild. All das, was wir jetzt in der Krise so dringend brauchen, fehlt. Daran leiden wir.“ Hesping beschreibt enthusiastisch: „Wir singen vom Kopf bis zu den Füßen. Wenn wir ohne Leistungsdruck singen, ist das Zentrum das Herz oder das, was wir Seele nennen.“ Bei Chorproben werde das „Kuschelhormon“ aktiviert, erklärt Hesping: „Es entsteht eine schöne Verbundenheit. Und es kann eine spirituelle Erfahrung sein, wenn die eigene Stimme mit anderen Stimmen einen Klangraum bildet.“
Zur Aufmunterung rät Hesping: „Nutzen Sie dennoch jede Gelegenheit zum Singen – das Morgenlied beim Duschen, das Singen mit Freunden im Garten. Holen Sie die Gitarre hervor, singen Sie laut mit.“
Zum Sängerkreis Groß-Gerau gehören 35 Vereine mit 1505 Aktiven. Sie bilden 59 Chöre, davon elf Frauen- und elf Männerchöre, 28 gemischte Chöre sowie neun Kinder- und Jugendchöre. Reinhard Schindler, Vorsitzender des Sängerkreises und Dirigent im Liederkranz Berkach 1882, sagt: „Uns allen fehlt die Geselligkeit der Proben, all das Liebgewonnene.“ Gerade auch für ältere Sänger seien Chorproben wichtig in der Wochenstruktur, betont er.
„Wir vermissen es, den Chorklang zu erleben, die direkte Rückmeldung der Chorleitung und das Glück, wenn dann ein Ton sitzt.“ Das Training der Stimme und ihre Einbindung in den Chor ließen sich digital nur sehr bedingt üben, so Schindler. „Da Singen positiv auf Leib und Seele wirkt, kann das langfristige Fehlen negative Auswirkungen haben“, gibt er zu bedenken.
Ob und wie Proben oder gar Konzerte wieder möglich werden, hänge vom Konzept jedes einzelnen Chors ab. „Die Hygiene- und Abstandsregeln sind extrem aufwändig“. Aber Schindler sagt: „Ich sehe die Gefahr, dass ohne Chorauftritte das Kulturgut Chorgesang langsam aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet und sich immer weniger Leute anschließen.“
Im 100. Jahr steht der Gesangverein „Frohsinn Geinsheim“, der seine Jubiläumsfeiern verschieben musste. Dessen mehrfach prämierte Chorleiterin Nadine Happel, die die fünf Vereinschöre dirigiert, sagt: „Ohne Chorgesang fehlt ein Stück Lebensqualität, ohne Chorproben die tolle Gemeinschaft. Traurig macht es, dass wir dies nicht teilen können und dass Konzerte ausfallen müssen, die sonst Sänger und Zuhörer glücklich machen.

Groß-Gerauer Echo

Neu Chöre suchen mehr Stimmen

Sängerkreis Groß-Gerau hat viele Auftritte, aber nicht genügend Aktive / Langjährige Mitglieder werden geehrt
Von Oliver Pfeiffer

WOLFSKEHLEN. Hans Kopp, Vorsitzender des Sängerkreises Groß-Gerau, ließ bei der Jahreshauptversammlung des Vereins zusammen mit den Mitgliedern das vergangene Jahr Revue passieren. Auch über den neuen Vorstand des Sängerkreises berichtete er: Die kreisweite Vereinigung von Gesangs- und Musikvereinen hatte im vergangenen Jahr einen komplett neuen Vorstand gewählt. Drei Plätze im neuen Vorstand werden durch Mitglieder der Sängervereinigung Wolfskehlen besetzt.
Stolz berichtete Kopp über die Initiative „Riedstadt singt“: Der Projekt-Chor bestehe aktuell aus 35 Mitgliedern und sei durch einen Aufruf an „alle Singschaffenden“ in Riedstadt gegangen.
Auch die Ehrungen verdienter Mitglieder durften nicht fehlen: Claudia Beyreuther und Tanja Kurz wurden für 25 Jahre Engagement geehrt – ebenso wie Elke Schecker. Für ihre 50-jährige Mitgliedschaft erhielt Doris Klett eine Auszeichnung. Ehrenmitglied Ernst-Ludwig Schaffner wurde für sein langjähriges Engagement geehrt. Seit 1969 gehört der rüstige Rentner der Sängervereinigung an. In diesen 50 Jahren gehörte Schaffner durchweg dem Vorstand an – alleine 21 Jahre dem geschäftsführenden Vorstand. Er sei eine der tragenden Säulen des Vereins betonte der Vorsitzende, Hans Kopp.
Für 60 Jahre erhielten Bernd Achtzehnter, Willi Blodt, Hans-Dieter Grube und Heinz Böhm eine Auszeichnung. Neben den Ehrungen standen auch die Berichte der Chorleitungen von gemischtem Chor und den beiden Jugendchören „Mix-Dur“ und „Capriccioso“ auf der Tagesordnung.
Für Chorleiterin Nadine Happel, die sich aktuell in Mutterschaft befindet, sprang Katja Kamenek ein, die stellvertretende Vorsitzende der Sängervereinigung. Unter anderem warb sie für eine bessere Teilnahme der Mitglieder: Aktuell sei es schwer, alle Stimmen des Chors abzudecken. Es sei eine bessere Teilnahme an den Proben erwünscht.
Im vergangenen Jahr habe man fast alle zwei Monate einen Auftritt gehabt, berichtet Chorleiterin Renata Bueno Tavares. Auch für den gemischten Chor „Mix-Dur“ durften diverse Aktivitäten nicht fehlen.
Der Jugendchor „Capriccioso“ hat sich seit seiner Gründung 1993 zu einem richtigen Damenensemble entwickelt. Von Popmusik bis zu anspruchsvoller Kirchenmusik hat er ein breit gestreutes Repertoire. Auch dieser Chor sucht beständig Nachwuchs. Gerade weil es beispielsweise durch die anstehenden Abiturprüfungen zu personellen Ausfällen käme, warb Chorleiterin Renata Bueno Tavares um Unterstützung bei der Anwerbung potenzieller Neumitglieder. Bueno Tavares warb bei den Anwesenden um Unterstützung bei den anstehenden Aufgaben der Chöre – sowohl materiell als auch im Umgang mit neuen Medien.
Zum Abschluss ihres Berichtes warb sie für die Veranstaltung von „Capriccioso“ am Sonntag, 22. März. Ein Highlight werde der Auftritt einer litauischen Folkloregruppe am 25. April sein, die im Rahmen des Besuchs einer Delegation aus der litauischen Partnerstadt Tauroggen gemeinsam mit dem gemischten Chor, „Mix-Dur“ und einem Chor der SKG Erfelden auftrete.
VORSTAND
Der bisherige Vorstand wurde im Amt bestätigt: Hans Kopp bleibt Vorsitzender, Katja Kamenik stellvertretende Vorsitzende, Nicole Dör Rechnerin und Nadine Moldaner Schriftführerin. (olp)es Textfeld >>

Neue Form kommt an

Beim „Abend der Chöre“ im Groß-Gerauer Landratsamt unterhalten drei Ensembles das Publikum
Von Charlotte Martin

KREIS GROß-GERAU. Mit einem lautmalerischen Andante, das mit Zartheit und Emphase festliche Stimmung zeitigte, eröffnete der Groß-Gerauer Chor „Kammerton“ den „Abend der Chöre“. Drei Ensembles aus dem Kreis präsentieren sich dabei im Landratsamt.
Vom ersten bis zum letzten Ton war das Konzert, zu dem Kreis und Sparkassenstiftung eingeladen hatten, ein Fest der Sangesfreude. Nicht nur Kammerton-Chorleiterin Ljuba Kamuff mit den 27 Chorsängern, sondern auch die 42 sonoren Herren der Vereinigung Rüsselsheimer Männerchöre, dirigiert von Hanno Kirsch, sowie der kesse Chor „Xang!“ aus Mörfelden-Walldorf unter Dirigat von Ralf Baitinger, trugen zu einem bewegenden Konzert bei, das vom Publikum im voll besetzten Büchnersaal bejubelt wurde.
„Kammerton“ präsentierte sich als nahezu professionell angelegte Gemeinschaft mit höchstem Anspruch an Harmonie und Reinheit: Dass hier mit Begeisterung und Ehrgeiz am Repertoire gefeilt wird, verdeutlichte ein erstklassiges Ergebnis. Sowohl moderne Lieder in Deutsch und Englisch („Der Weg zu dir“ oder „A Summer is over“) wie auch sakrale Gesänge („Gloria“ oder „Adoramus te domine“) sowie Lieder nach klassischer Vorlage, arrangiert von Ljuba Kamuff, und meist mit Pianobegleitung vorgetragen, berührten nicht nur Ohr, sondern auch die Seele der Zuhörer.
Stolz und in feierlicher Positur präsentierte sich sodann die Vereinigung der Rüsselsheimer Männerchöre, ein Bündnis sangesfroher Herren in reifen Jahren aus drei Männerchören, die mit einem Repertoire aus Oper und Operette aufwarteten. Sänger Hermann Wolf etwa erzählte bei einem Glas Wein in der Konzertpause, er sei Chorsänger mit Leib und Seele – und das seit 60 Jahren. Mit Verve dirigierte Hanno Kirsch diese Männerchorgemeinschaft, die mit Pilger- und Matrosen- oder Jägerchor nach Wagner und Weber und auch mit dem Studentenchor aus „Hoffmanns Erzählungen“ Stimmvolumen und expressive Emotion zur machtvollen Darbietung verband.
Im Anschluss bot „Xang!“, der 2016 von Ralf Baitinger gegründete Chor, mit Charme und Esprit sowie ganz ohne Blick auf die Notenliteratur, eine weitere Variante dessen, was Chorarbeit sein kann: Mit traditionellem Liedgut in neuer Bearbeitung, mit populärer Klassik („Freude schöner Götterfunken“) sowie gefühlvollen Hits – etwa „Horizont“ von Udo Lindenberg oder „Sweet Dreams“ von Eurythmics – machte der Chor vor, welches Glück dem Singen innewohnt. Nadine, Katrin und Christina, drei junge Frauen von „Xang!“, schwärmten zur Pause vom „großen Spaß und tollen Zusammenhalt“ in der Gruppe. Spätestens mit ihrer Variante des Hits „Dein ist mein ganzes Herz“ flogen diesem unkonventionellen Chor dann auch die letzten Herzen zu.
Erstmals hatten Kreis und Sparkassenstiftung den „Abend der Chöre“ in dieser Form ausgerichtet: Elf Erwachsenenchöre hatten sich beworben, drei waren von der Jury aus Sparkassen-Stiftung, Sängerkreisen Groß-Gerau und Mainspitze sowie Kreiskulturbüro ausgewählt worden. Und wenn Landrat Thomas Will (SPD) zur Begrüßung der Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, es lasse sich mit diesem Chorabend „eine neue Tradition etablieren“, so sprach am Ende alles dafür, dass dies geglückt war.

Ein Trio und zweimal 20 Minuten

Kreis und Sparkassen-Stiftung laden zum Abend der Chöre ins Landratsamt
KREIS GROSS-GERAU (red). Singen in Gemeinschaft macht Laune – sowohl bei den Akteuren als auch beim Publikum. Darum laden Kreis Groß-Gerau und Sparkassen-Stiftung für Sonntag, 29. September, zum Abend der Chöre ins Landratsamt ein. Das Konzert mit drei Erwachsenenchören aus dem Kreisgebiet beginnt um 18 Uhr. Die teilnehmenden Chöre sind: Kammerton Groß-Gerau, Rüsselsheimer Männerchöre und Xang! aus Mörfelden. Alle drei singen jeweils zwei Mal 20 Minuten.
Das Trio wurde von einer Jury, gebildet aus Mitgliedern der Sparkassenstiftung, der Sängerkreise und des Kreis-Kulturbüros, aus einer Gruppe interessierter Chöre ausgewählt.
Den Kammerton gründete Leiterin Ljuba Kamuff im Jahr 2010. Aus den ursprünglich 15 Sängerinnen und Sängern aus diversen Laienchören sind mittlerweile 27 geworden. Zum Repertoire zählen geistliche Musik genauso wie Pop, Gospel, Musical oder klassische Stücke. Die Rüsselsheimer Männerchöre, gebildet aus Harmonie 1911, Gesangverein 1858 Frohsinn Königstädten und MGV Liederkranz Rüsselsheim-Haßloch 1910, traten erstmals beim Hessentag 2017 gemeinsam auf. Auf ihrem Programm stehen unter anderem der Soldatenchor aus der Oper Margarethe, der Matrosenchor aus dem Fliegenden Holländer und Hoffmanns Erzählungen. Xang!, gegründet 2016, kommt aus Mörfelden und besteht derzeit aus 25 Sängerinnen und Sängern. Die Formation entwickelte sich aus dem Jungen Chor der SKV Mörfelden. Beim Abend der Chöre bringt XANG! vor allem Stücke aus Pop und Klassik zu Gehör – ob „Sweet dreams“ von den Eurythmics oder „Junimond“ von Rio Reiser.

Chorgesang im Wandlungsprozess

Sängerkreis strebt Neuausrichtung an / Angebote mit Fragebogenaktion am Bedarf der Vereine orientieren
Von Susanne Wildmeister
KREIS GROSS-GERAU. Noch im April stand eine mögliche Auflösung des Sängerkreises Groß-Gerau im Raum. Nun will sich der Dachverein der Sänger im Kreisgebiet neu ausrichten und mit frischem Elan den Herausforderungen der Zukunft stellen.
Die Mitgliederversammlung im März war mit einer existenzgefährdenden Problematik konfrontiert worden, wie sie heute viele Vereine trifft: Niemand war bereit, ein Vorstandsamt im Sängerkreis zu übernehmen. Die gleiche Situation ergab sich für die Chorjugend. Erst in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im April konnte die drohende Auflösung abgewendet werden, als sich mit Reinhard Schindler (Vorsitzender), Hans Kopp (Zweiter Vorsitzender), Jessika Gappisch (Schatzmeisterin) und Anika Schramm (Geschäfts- und Schriftführerin) ein neues Führungsteam fand. Damit war laut Reinhard Schindler zumindest „ein Rumpfteam“ gefunden, um die laufenden Geschäfte des Vereins fortzuführen und die Belange der Chorjugend zu vertreten.
Nach Übernahme der Unterlagen und Regelung der Amtsgeschäfte geht es dem Vorstand zwischenzeitlich jedoch um mehr, als lediglich den Bestand zu verwalten. „Unser Ziel ist es, junge Chöre weiterzuentwickeln“, sagt Schindler. Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendchöre sowie der jungen Gesangsgruppen tue sich einiges. Vom traditionellen Gesangverein klassischen Zuschnitts bis zu temporären Chorprojekten mit modernem Repertoire seien die Vereine unterschiedlich ausgerichtet. Die althergebrachte Form der jahrzehntelangen Gesangvereinsmitgliedschaft werde zunehmend abgelöst durch das projektbezogene, zeitlich begrenzte Mitwirken im Chor.
Wohin die Reise im Sängerkreis Groß-Gerau in den nächsten Jahren gehen soll, das will der Vorstand nun mit einer Fragebogenaktion bei seinen 39 Mitgliedsvereinen herausfinden. „Wir wollen uns am Bedarf orientieren, Prioritäten erfragen und unsere Angebote danach ausrichten“, betont Schindler. Als Beispiel nennt er Freundschaftssingen, die dem Chorgesang eine Bühne geben, Gesangswettbewerbe, öffentliches Singen für Jedermann oder Workshops zur Stimmbildung.
Die im Frühjahr diskutierte Fusion mit einem anderen Sängerkreis sei zwischenzeitlich nicht mehr beabsichtigt. Angestrebt werde eine enge Zusammenarbeit mit dem Hessischen Sängerbund und der Hessischen Chorjugend. Die gute Kooperation mit der Sparkassen-Stiftung und dem Kreis-Kulturbüro wolle man fortführen.
Mit den Mitgliedsvereinen sei ein intensiver und regelmäßiger Austausch geplant. „Ziel ist, dass sich die Vereine im Sängerkreis gut aufgehoben und gegenüber den öffentlichen Institutionen und Dachverbänden gut vertreten fühlen“, betont Schindler. Der Chorgesang solle im Kreis Groß-Gerau von jung und alt gelebt und als kultururelle Bereicherung wahrgenommen werden.
DIE ORGANISATION
Der Sängerkreis vertritt 39 Vereine mit 3100 Mitgliedern, darunter 1600 aktive Chorsänger.
In der Altersgruppe bis 27 Jahre gibt es 300 aktive Sänger. Sie werden gemäß der Richtlinien der Hessischen Chorjugend in der Kategorie „Jugendlich“ geführt.
Davon singen 160 Mitglieder in sechs Kinder- und Jugendchören , der Rest in jungen Chören und Erwachsenen-Chören. (fri)